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Living Museum

Das Living Museum in Wil zeigt auf beeindruckende Weise, wie sich kreatives Potenzial entfalten und nicht nur die Klinik, sondern darüber hinaus auch die Gesellschaft verändern kann.

Das Living Museum in Wil gehört zur Psychiatrie St. Gallen in der Schweiz und umfasst ein ganz besonderes Angebot: in vier verschiedenen Ateliers, einem Keramikatelier, einem Kunst- und Medienatelier (inklusive Musik-, Textil- und Theateratelier), einem Papieratelier und einem Werkatelier (Glasatelier, Holzatelier) können die Patient:innen der Klinik nach Herzenslust kreativ werden. Hinzu kommt außerdem das Café Living Museum als Herzstück im Erdgeschoss.

Rose Ehemann, Leiterin des Living Museum in Wil beschreibt, wie Menschen mit Krisenerfahrungen dort nicht nur ihre eigene Kreativität entdecken und ausleben, sondern sich darüber hinaus als Künstler:innen und Kunstschaffende im Living Museum neu erfahren können.

Das Living Museum ist ein Kunstasyl für sehr authentische Kunst, geschaffen von Menschen mit psychischen Erkrankungen. In meinen Augen haben genau diese Menschen ein extrem kreatives, schöpferisches Potenzial. Sie sehen Dinge oder erleben Dinge, die wir gar nicht kennen – der Zugang zur Kreativität ist ein ganz anderer. Und das zeigt sich hier an diesem Ort jeden Tag auf´s Neue.

Rose Ehemann

Menschen mit psychischen Erkrankungen haben oft eine besondere Begabung dafür, intensive Gefühle und Erlebnisse künstlerisch auszudrücken. Auf ihrem Genesungsweg wurden sie damit konfrontiert, Brüche in ihren Lebensweg integrieren zu müssen. Ausdrucksmöglichkeiten – zum Beispiel durch Kunst – helfen dabei. Bereits zu Beginn der Menschheitsgeschichte fanden sich Höhlenzeichnungen von wilden Tieren, um die innere Angst im Außen, gezeichnet mit Pigmenten auf der Höhlenwand, zu symbolisieren und damit beherrschbarer zu machen.

Im Living Museum geht es nicht darum, Künstler:innen mit psychischen Erkrankungen zurück in die Gesellschaft zu inkludieren, sondern die Gesellschaft in die Welt der Künstler:innen einzuladen. Die Kunst ist hier ein Spiegel der Gesellschaft und woran es dieser Gesellschaft krankt. Zu Gast im Living Museum können dann interessierte Besucher:innen an dieser Auseinandersetzung teilhaben und den Genesungsprozess nachvollziehen, der in diesen Räumen Gestalt annehmen darf.

Filmstill aus dem YouTube-Video „Psychiatrische Klinik Wil | Living Museum

Die Krise stellte vielleicht den Anfang dar, ungewohnte, kreative Wege zu gehen. Im Living Museum kann daraus ein neues Selbstverständnis erwachsen.

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Einmal Kunst, bitte! ist eine Onlineplattform rund um Kunst und seelische Gesundheit. Sie richtet sich sowohl an Potsdamer Künstler:innen mit Krisenerfahrung als auch an interessierte Potsdamer:innen, die mehr über das Potenzial von Kunst zur Stärkung seelischer Gesundheit erfahren möchten.